„Geschichten aus dem Wiener Wald“ (Ödön von Horváth)

18. März 2009

wiener-waldGemeinsam gehen Marianne, Valerie, der Zauberkönig, Oskar und Alfred nach draußen in die Wachau, wo die Sonne scheint. Marianne grüßt die Großmutter per Handkuss, liest den ihr ausgehändigten Brief über den Tod ihres Babys, im nächsten Moment will sie sie mit der Zither erschlagen, woraufhin Oskar Marianne die Kehle zudrückt. Die Großmutter schimpft auf Marianne, die Mutter vertreibt die Großmutter, die Großmutter ohrfeigt die Mutter. Marianne schimpft auf Gott und Oskar droht ihr mit seiner Liebe. Nur auf Oskar gestützt kann Marianne noch laufen. Laufen zurück in ihr altes Leben, aus dem sie hatte ausbrechen wollen, laufen in ein Leben, in dem ihre Träume geplatzt sind.
Derart friedlich und glückselig geht es in Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ zu, geschrieben in einer Zeit zwischen zwei Weltkriegen, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, des aufkeimenden Nationalsozialismus, des Verfalls der Weimarer Republik. All diese Motive verarbeitet Horváth in seinem Stück im Hinblick auf die gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen.
Da gibt es Erich, der seine Randständigkeit in der Gruppe mit nationalsozialistischem Gehabe kompensiert, Havlitschek, der Frauen gar nicht wirklich als Menschen, sondern als „seelenloses Fleisch“ betrachtet, seinen sadistischen Kumpanen Oskar, der diese Neigung allerdings leugnet, Valerie, deren Beziehungen nur sexueller und finanzieller Natur sind, den patriarchalischen Lustmolch Leopold, genannt Zauberkönig, den lügenden, betrügenden Alfred und schließlich Marianne, deren Versuch, aus diesen Verhältnissen auszubrechen, misslingt.
Anhand dieser und weiterer Beispiele verweist Horváth gekonnt unter dem Deckmantel der Idylle auf die Divergenz zwischen Sein und Schein, welche auch schon Gerhart Hauptmann in seiner Berliner Tragikomödie „Die Ratten“ aufdeckte.
Diese „Demaskierung des Bewusstseins“, die Horváth da betreibt, erkannten schon die Nationalsozialisten, fühlten sich angegriffen und bezeichneten das Volksstück im „Angriff“ als „Miststück“. Diese Meinung teilte die Masse der Zuschauer nicht. Das Werk war der Durchbruch des damals 29-jährigen Schriftstellers, welches ihm zurecht den Kleist-Preis einbrachte, nachdem bereits sein Vorwerk „Italienische Nacht“ mit großem Erfolg uraufgeführt worden war.
Zwar ist das Stück als Schauspiel wesentlich ansehnlicher als im Textformat, doch egal, für welches Medium Sie sich entscheiden, zurück bleibt immer ein „Klingen und Singen – als verklänge irgendwo […] der Walzer ,Geschichten aus dem Wiener Wald’ von Johann Strauß.“

Natascha Kotainy, Burg-Gymnasium Bad Bentheim


„Bis(s) zum Morgengrauen“ (Stephenie Meyer)

14. März 2009

bisszummorgengrauen„Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm.“ – „Was für ein dummes Lamm.“ – „Was für ein abartiger Löwe.“

Dieses wohl berühmteste Zitat aus dem Roman „Bis(s) zum Morgengrauen“ von Stephenie Meyer springt einem in zahlreichen Internetforen und auf Profilen von größtenteils pubertierenden Mädchen entgegen. In Zeiten des Web 2.0 erhält der Hype um ein Kultbuch neue Dimensionen: selbstgestaltete Collagen und Videos mit den Charakteren des Romans, Diskussionen auf Videoplattformen bezüglich der besten Musik für die Verfilmung und schülerVZ-Gruppen à la „Dank Edward Cullen hab ich unerfüllbare Erwartungen an die Liebe“ oder „Ich bin nur Single, weil es Edward Cullen nicht gibt“.

Der Vampir Edward Cullen ist eine der beiden Hauptfiguren und sein Name ist ein Synonym für den Traumprinzen der Mädchen von heute: unbeschreiblich schön, romantisch, aber auch verwegen und gefährlich. Trotzdem verliebt sich dieses Wesen in die normalsterbliche, durchschnittliche Isabella Swan. Eine moderne Aschenputtel-Geschichte mit mysteriösem Touch. Und welches Mädchen im Alter von 12-15 Jahren, was die Zielgruppe des Romans darstellt, träumt nicht davon, eine Art Prinzessin zu werden? Aus ihrem langweiligen Leben befreit zu werden und mit einem atemberaubenden Jungen Abenteuer zu erleben?

Ganz eindeutig, dieser Roman appelliert genau an diese Wünsche. Im Vordergrund der Handlung steht die Beziehung zwischen Edward und Bella, das Hin und Her, die Sehnsucht und die Gefahr. Kämpfe zwischen Werwölfen und Vampiren oder anderweitig gefährliche Situationen sind ein netter Zusatz für diejenigen, die die Harry-Potter-Reihe schon durchgelesen haben. Im Mittelpunkt bleiben jedoch die beiden Jugendlichen, sodass genug Raum zum Schmachten verbleibt.

So reduzieren sich auch die sprachlichen Besonderheiten auf die ausgiebige Beschreibung von Edwards Augen (wahlweise schwarz, golden, topas- oder bronzefarben), seiner Haut, die im Sonnenlicht wie Diamanten funkelt und dem Rest seiner überirdischen Schönheit. Den Gegenpol dazu bilden die immer wieder geäußerten Selbstzweifel Bellas, ob sie es denn verdient habe, mit ihm zusammen zu sein.

Als erwachsener Leser wird man dieser Thematik schnell überdrüssig und wünscht sich doch mehr sprachliche Raffinesse als eine Anhäufung von Farbadjektiven. Bei der Zielgruppe allerdings bleiben keine Wünsche offen, was auch der Erfolg der weiteren drei Bände und die Verfilmung des ersten Teils beweisen.

Um nun mit einem Zitat wieder abzuschließen: „Was für den kleinen Hunger.“

Maria Douneva, Burg-Gymnasium Bad Bentheim


Fear Street (Robert L. Stine)

11. November 2007

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Für mich gibt es nicht nur ein Kultbuch, sondern eine ganze Kultbuchreihe: „Fear Street“ von dem US-amerikanischen Autor Robert Lawrence Stine.
Alle Romane aus dieser Jugendbuchreihe waren für mich im Alter von 12 – 15 Jahren Kultbücher, da R.L.Stine Geschichten über das Grauen für junge Leser geschaffen hat.
Seine Horror – Thriller (ab 12 Jahren) handeln von Jugendlichen, die oder deren Freunde in der Fear Street leben. Oft verraten die Titel dieser Bücher leider schon einen Teil der Handlung, sodass man schon im voraus in etwa erahnen kann, was im weiteren Verlauf passieren wird.

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Kinderjahre (Jona Oberski)

8. November 2007

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Das Buch „Kinderjahre“ von Jona Oberski, 1978 in Amsterdam von BZZTôH herausgegeben handelt von einem jüdischen Kind, welches den zweiten Weltkrieg in zwei Konzentrationslagern durchmacht.
Vier Jahre alt ist der Junge, als er das erste Mal in die Gefangenschaft der Nationalsozialisten kommt. In der Zeit nach der ersten Gefangenschaft wird deutlich, dass die Juden in den Niederlanden zunehmend mehr von ihrer Lebensfreiheit einzubüßen haben, bis der Junge und seine Eltern erneut nach Westerbork gebracht werden. Die Eltern haben dem Jungen verschwiegen, dass Krieg herrscht und was das überhaupt bedeutet. Er ist im Glauben er befände sich auf einer Familienreise nach Palästina. Den Rest des Beitrags lesen »


Winnetou I (Karl May)

8. November 2007

Lieber Leser! Wissen sie was ein Gymnasiast ist? Ein Gymnasiast besucht die höchste Schulform in Deutschland, hat aber trotzdem noch (fast) nichts gelernt, dass er später einmal gebrauchen könnte.
Auch ich war damals ein Gymnasiast. Doch war ich der Meinung schon Vieles zu wissen und mich bestens auszukennen. Aber gerade das zeichnet die Gymnasiasten aus, sie halten sich für gebildet und superklug.
Ich war gerade in der Klasse 9, als wir Bücher vorstellen sollten. Zufällig hatte ich vorher schon einmal über so etwas gelesen. Ich schrieb eine Einleitung und fasste den Inhalt kurz zusammen: Ein Mann kommt Ende des 19. Jh. als Landvermesser in den Westen der USA, bekommt Ärger mit Indianern, freundet sich aber trotzdem mit Winnetou, dem Sohn eines Häuptlings an. Als Winnetous Vater ermordet wird, beginnt die Verfolgung des Mörders. Damit endet Winnetou I. Den Rest des Beitrags lesen »


Das Schweigen der Lämmer (Thomas Harris)

8. November 2007

Erwähnenswert ist zunächst das Titelbild des Buches, welches dem Leser immer zuerst ins Auge fällt. Hierbei handelt es sich bei den meisten Buchausgaben um eine Motte mit einem Totenkopfemblem. Doch erst bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass sie sich aus sieben Frauenkörpern zusammensetzt. Dies ist typisch für den im Buch gesuchten Serienkiller, der eine Reihe von Morden an jungen Frauen begeht. Auffallend ist bei dem Titelbild die Zahl sieben. Sieben Frauenkörper sind abgebildet. Nun stellt sich die Frage, ob dies nicht etwa eine Anspielung auf die sieben Totsünden sein könnte. Es ließe sich so mit dem Roman „Sieben“ in Verbindung bringen, in dem ebenfalls ein Serienkiller gejagt wird. Den Rest des Beitrags lesen »


Ronja Räubertochter (Astrid Lindgren)

8. November 2007

ronja.jpeg Das 1982 in Deutschland erschienene Kinderbuch „Ronja Räubertochter“, wahrscheinlich eines der bekanntesten Bücher Astrid Lindgrens, handelt von dem Mädchen Ronja, dass auf der Suche nach eigener Identität und Unabhängigkeit viele Abenteuer bestehen muss.

Ronja ist die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis und seiner Frau Lovis. In der Nacht, in der Ronja geboren wird, spaltet ein Blitz die Mattisburg, den Sitz der Räuberbande, in der Mitte. Ronja wächst auf der Mattisburg im Mattiswald zusammen mit ihren Eltern und deren Räuberbande auf, bis sie eines Tages Birk Borkason, den Sohn des verfeindeten Räuberhauptmanns Borka und dessen Frau Undis, kennenlernt und sich später mit ihm anfreundet. Deren Sippe (die Borkaräuber) hat sich in dem abgetrennten Teil der Mattisburg eingenistet, der jetzt als Borkafeste bezeichnet wird. Als der Konflikt zwischen den beiden Sippen eskaliert, da die beiden Kinder im Geheimen sehr nah zusammengewachsen sind, ziehen Ronja und Birk gemeinsam in eine alte Bärenhöhle im Wald. Dort bestehen die beiden viele Abenteuer während sie langsam ihr Heim bewohnbar machen und die Versorgung mit Nahrung sichern. Jedoch bleiben Probleme nicht aus: der Winter kommt, und damit auch Kälte, Nahrungsmangel und auch die Freundschaft von Ronja und Birk leidet. Mattis‘ Sehnsucht nach seiner Tochter bewegt ihn schließlich dazu, mit Borka in Dialog zu treten, um den Konflikt zu lösen. Den Rest des Beitrags lesen »