Das Schweigen der Lämmer (Thomas Harris)

Erwähnenswert ist zunächst das Titelbild des Buches, welches dem Leser immer zuerst ins Auge fällt. Hierbei handelt es sich bei den meisten Buchausgaben um eine Motte mit einem Totenkopfemblem. Doch erst bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass sie sich aus sieben Frauenkörpern zusammensetzt. Dies ist typisch für den im Buch gesuchten Serienkiller, der eine Reihe von Morden an jungen Frauen begeht. Auffallend ist bei dem Titelbild die Zahl sieben. Sieben Frauenkörper sind abgebildet. Nun stellt sich die Frage, ob dies nicht etwa eine Anspielung auf die sieben Totsünden sein könnte. Es ließe sich so mit dem Roman „Sieben“ in Verbindung bringen, in dem ebenfalls ein Serienkiller gejagt wird.

Dass der inhaftierte Psychopath und Kannibale, Hannibal Lecter, von den Ermittelnden zur Hilfe genommen wird den Serienmörder „Buffalo Bill“ zu überführen, wirkt ein wenig paradox. Doch auf der anderen Seite scheint dies eine echte Chance für Agent Starling und ihre Kollegen zu sein. Nur er kann sich in den Täter hineinversetzen und seine nächsten Schritte erahnen, da „Buffalo Bill“ ein ehemaliger Patient des inhaftierten Psychiaters ist. Thomas Harris zeigt in der Person des Hannibal Lecter, wie eng Genie und Wahnsinn beieinander liegen. Immer wieder wird Lecters Menschenkenntnis in den Gesprächen mit der FBI-Agentin Clarice Starling deutlich. Die Konversationen erfolgen auf höchstem Niveau. Doch klar wird auch, der ehemalige Psychiater hat die Grenze des Genies schon überschritten. Er weiß zu jeder Zeit, was in den Personen vorgeht, indem er sie analysiert. Dadurch wirkt er indirekt auf die Charaktere ein. So erhascht man eine Vorstellung davon, wie er zuvor seine Opfer beobachtet und analysiert hat. Das Buch wird vor allem durch Dr. Lecter und die damit in Verbindung gebrachte Psycho-Analytik wirklich zum Kult, da dies ein in der Literatur häufig besprochenes Thema ist, welches dazu noch spannend übermittlet wird. Als Leser versucht man ebenfalls ein eigenes Profil der Personen zu erstellen und übt sich selbst als Psychiater.

Der Gedanke, dass das FBI auf einen solchen Mann angewiesen ist, scheint abstrakt. Der Gedanke den Anweisungen eines Mörders zu folgen, ist in den wenigsten Fällen beruhigend. Durch die wechselnde Perspektive zwischen Agent Starling, Dr. Lecter und „Buffalo Bill“ erhält man einen Einblick, was in den jeweiligen Personen vorgehen mag. Dabei scheint die des Ex-Psychiaters wohl die farcettenreichste zu sein. Die Rolle hat etwas Faszinierendes an sich. In der Verfilmung des Werkes waren neben dem Darsteller Anthony Hopkins unter anderem auch noch andere Schauspielergrößen wie Jack Nicholson und Robert de Niro im Gespräch, was die Bedeutung der Rolle zusätzlich kennzeichnet.

Letzten Endes gelingt es Clarice Starling den Serienmörder zu überführen, doch gelangt Dr. Lecter wieder auf freien Fuß. Durch einen Anruf verabschiedet er sich und macht die doppeldeutige Bemerkung, er habe noch ein Festessen mit einem alten Freund, womit sein ehemaliger Gefängnisdirektor gemeint ist. Es ist also für Dr. Lecter nicht nur ein Happy End, sondern in gewisser Weise auch ein Happy Meal.

Eine Antwort zu Das Schweigen der Lämmer (Thomas Harris)

  1. lisasimpson sagt:

    Du erklärst den Inhalt sehr ausführlich und verständlich. Warum das Buch für dich Kult ist, hätte jedoch noch weiter ausgeführt werden können…
    Lisa u. Katja

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