Winnetou I (Karl May)

Lieber Leser! Wissen sie was ein Gymnasiast ist? Ein Gymnasiast besucht die höchste Schulform in Deutschland, hat aber trotzdem noch (fast) nichts gelernt, dass er später einmal gebrauchen könnte.
Auch ich war damals ein Gymnasiast. Doch war ich der Meinung schon Vieles zu wissen und mich bestens auszukennen. Aber gerade das zeichnet die Gymnasiasten aus, sie halten sich für gebildet und superklug.
Ich war gerade in der Klasse 9, als wir Bücher vorstellen sollten. Zufällig hatte ich vorher schon einmal über so etwas gelesen. Ich schrieb eine Einleitung und fasste den Inhalt kurz zusammen: Ein Mann kommt Ende des 19. Jh. als Landvermesser in den Westen der USA, bekommt Ärger mit Indianern, freundet sich aber trotzdem mit Winnetou, dem Sohn eines Häuptlings an. Als Winnetous Vater ermordet wird, beginnt die Verfolgung des Mörders. Damit endet Winnetou I. Ich hatte alles richtig gemacht, meine Sprache war gut, doch mein Lehrer meinte nur: „Pah! Du bist immer noch ein Anfänger!“ Doch darüber lächelte ich nur. Bei weiteren Hausaufgaben konnte ich weiter mit meiner gestochen scharfen Sprache überzeugen und die anderen Lehrer sagten zu dem Meinen: „Oliver ist schon lange kein Anfänger mehr, er schreibt schon besser als ihr!“ Mein Lehrer antwortete, er wolle meinen Charakter nicht verderben. Bald schon traf ich einen Professor der Germanistik, er konnte mir zwar noch ein paar Dinge beibringen, aber eigentlich war meine Ausdrucksweise schon perfekt und ich wurde bald der beste und kompletteste Schriftsteller in ganz Deutschland.
Ihnen kommt dieser Text etwas überheblich vor? Mir auch. Und so ist es auch mit den Winnetou-Bänden. Sie gefallen mir und ich habe sie als Zwölfjähriger verschlungen. Doch als ich im Rahmen meiner Hausaufgabe dieses Buch gewählt und noch einmal durchgelesen habe, fiel mir die Überhöhung des Protagonisten auf, die mir gleich übel aufstieß. Sie macht die Geschichte unglaubwürdig und auch ein wenig langweilig.
Für einen Zwölfjährigen ist dieses Buch meiner Meinung nach aber durchaus empfehlenswert, da man in diesem Alter strahlende Heldenfiguren liebt. Die Eltern dienen nämlich in diesem Alter auch nicht mehr als perfektes Vorbild und so muss ein Ersatz her. „Old Shatterhand“ ist ein sehr tugendhafter und auch gläubiger Held, der durch seinen Mut und seine Klugheit überzeugen kann.
An ihm kann man sich wahrlich orientieren, denn er ist der perfekte Held. Und deswegen sind diese Bände auch bis heute noch so erfolgreich, denn egal was auch passiert, „Old Shatterhand“ kriegts wieder hin!

Eine Antwort zu Winnetou I (Karl May)

  1. iris88 sagt:

    Hey Oli!
    Ich finde deine Kultbuchkritik sehr lustig, sie beschreibt den Inhalt zwar nicht gerade ausführlich, aber du arbeitest genauestens die Überhöhung der Hauptfigur heraus! Die Rezension ist sehr gelungen!

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