„Bis(s) zum Morgengrauen“ (Stephenie Meyer)

bisszummorgengrauen„Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm.“ – „Was für ein dummes Lamm.“ – „Was für ein abartiger Löwe.“

Dieses wohl berühmteste Zitat aus dem Roman „Bis(s) zum Morgengrauen“ von Stephenie Meyer springt einem in zahlreichen Internetforen und auf Profilen von größtenteils pubertierenden Mädchen entgegen. In Zeiten des Web 2.0 erhält der Hype um ein Kultbuch neue Dimensionen: selbstgestaltete Collagen und Videos mit den Charakteren des Romans, Diskussionen auf Videoplattformen bezüglich der besten Musik für die Verfilmung und schülerVZ-Gruppen à la „Dank Edward Cullen hab ich unerfüllbare Erwartungen an die Liebe“ oder „Ich bin nur Single, weil es Edward Cullen nicht gibt“.

Der Vampir Edward Cullen ist eine der beiden Hauptfiguren und sein Name ist ein Synonym für den Traumprinzen der Mädchen von heute: unbeschreiblich schön, romantisch, aber auch verwegen und gefährlich. Trotzdem verliebt sich dieses Wesen in die normalsterbliche, durchschnittliche Isabella Swan. Eine moderne Aschenputtel-Geschichte mit mysteriösem Touch. Und welches Mädchen im Alter von 12-15 Jahren, was die Zielgruppe des Romans darstellt, träumt nicht davon, eine Art Prinzessin zu werden? Aus ihrem langweiligen Leben befreit zu werden und mit einem atemberaubenden Jungen Abenteuer zu erleben?

Ganz eindeutig, dieser Roman appelliert genau an diese Wünsche. Im Vordergrund der Handlung steht die Beziehung zwischen Edward und Bella, das Hin und Her, die Sehnsucht und die Gefahr. Kämpfe zwischen Werwölfen und Vampiren oder anderweitig gefährliche Situationen sind ein netter Zusatz für diejenigen, die die Harry-Potter-Reihe schon durchgelesen haben. Im Mittelpunkt bleiben jedoch die beiden Jugendlichen, sodass genug Raum zum Schmachten verbleibt.

So reduzieren sich auch die sprachlichen Besonderheiten auf die ausgiebige Beschreibung von Edwards Augen (wahlweise schwarz, golden, topas- oder bronzefarben), seiner Haut, die im Sonnenlicht wie Diamanten funkelt und dem Rest seiner überirdischen Schönheit. Den Gegenpol dazu bilden die immer wieder geäußerten Selbstzweifel Bellas, ob sie es denn verdient habe, mit ihm zusammen zu sein.

Als erwachsener Leser wird man dieser Thematik schnell überdrüssig und wünscht sich doch mehr sprachliche Raffinesse als eine Anhäufung von Farbadjektiven. Bei der Zielgruppe allerdings bleiben keine Wünsche offen, was auch der Erfolg der weiteren drei Bände und die Verfilmung des ersten Teils beweisen.

Um nun mit einem Zitat wieder abzuschließen: „Was für den kleinen Hunger.“

Maria Douneva, Burg-Gymnasium Bad Bentheim

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: