Eine Hand voller Sterne (Rafik Schami)

Eine Hand voller Sterne (Rafik Schami) Über mehrere Jahre hinweg führt ein Bäckerjunge in Damaskus ein Tagebuch. Es gibt vieles Schönes, Poetisches und Lustiges zu berichten aus der Stadt, in der Menschen so vieler Nationalitäten miteinander leben: So erzählt er von seinem Freund Salim, dem alten Kutscher, der herrliche Geschichten erzählen kann, von Nadia und seiner Liebe zu ihr und vom Basar, auf dem die Mutter Meisterin im Handeln ist. Sein größter Traum ist es, eines Tages ein Journalist zu werden. Kein ungefährlicher Beruf im Syrien der 70er Jahre, in dem Ungerechtigkeit, Armut, politische Verfolgung und Angst herrschen und Menschen plötzlich im Gefängnis verschwinden. Gegen den Willen seines Vaters, der ihm die Schule verbietet und ihn den Beruf des Bäckers lehren möchte, gründet er mit Freunden eine Untergrundzeitung. Auch als einer von ihnen verhaftet und im Gefängnis gefoltert wird, führen sie die Zeitung fort, denn den einzigen Ausweg, die Dinge zu verändern und sich selbst treu zu bleiben, sehen sie in dem Beruf des Journalisten.
Rafik Schami gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Er wird 1946 in Damaskus geboren, wo er von 1966 bis zu ihrem Verbot 1969 Redaktionsleiter einer literarischen Wandzeitung in der Altstadt ist. 1971 siedelt er in die Bundesrepublik über und arbeitet seit 1982 als freier Schriftsteller. Sein 1987 veröffentlichter Jugendroman „Eine Hand voller Sterne“ kann also als ein autobiographischer Roman betrachtet werden, da das Leben des 14-jährigen Bäckerjungen, der Hauptperson des Buches, große Ähnlichkeiten mit dem von Rafik Schami besitzt.
„Eine Hand voller Sterne“ stellt für mich ein Kultbuch da, das ich mit großer Faszination und Sehnsucht gelesen habe. Rafik Schami versteht es beispiellos, seinen Lesern einen Einblick in die Lebensumstände in Damaskus zu geben und durch seine kleinen Geschichten aus dem Alltag und der Sicht eines Jugendlichen die besondere Atmosphäre der Stadt einzufangen. Diese andere Kultur, Lebensweise und vor allem die und fremden politischen Verhältnisse werden von ihm sehr lebensnah und lebendig geschildert. Die Tagebucheinträge gestalten das Buch persönlich und machen es leicht, sich mit dem 14-jährigen Protagonisten, seinen Träumen, Gedanken und Ängsten, zu identifizieren. Der Leser kann seine Entwicklung mitverfolgen: von einem kleinen Jungen, der die Dinge, die um ihn herum geschehen, nur beobachtet und erzählt, zu einem selbstbewussten Jugendlichen, der die politischen Missstände nicht länger hinnehmen will, sondern sich aktiv dafür engagiert, die Lage zu verbessern.
„Eine Hand voller Sterne“ ist ein sehr vielschichtiges Buch, das viele Themen in sich vereint, und stellt für mich ein wunderbares Plädoyer für Zivilcourage da. Es wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet und erschien in über 10 Ländern.

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