Kinderjahre (Jona Oberski)

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Das Buch „Kinderjahre“ von Jona Oberski, 1978 in Amsterdam von BZZTôH herausgegeben handelt von einem jüdischen Kind, welches den zweiten Weltkrieg in zwei Konzentrationslagern durchmacht.
Vier Jahre alt ist der Junge, als er das erste Mal in die Gefangenschaft der Nationalsozialisten kommt. In der Zeit nach der ersten Gefangenschaft wird deutlich, dass die Juden in den Niederlanden zunehmend mehr von ihrer Lebensfreiheit einzubüßen haben, bis der Junge und seine Eltern erneut nach Westerbork gebracht werden. Die Eltern haben dem Jungen verschwiegen, dass Krieg herrscht und was das überhaupt bedeutet. Er ist im Glauben er befände sich auf einer Familienreise nach Palästina.
Die Folge aus der Lüge der Eltern ist, dass der Junge gar nicht versteht, was um ihn herum eigentlich passiert, er verlernt den Ernst der Lage und des Lebens zu erkennen. Bestes Beispiel hierfür ist, dass er am Sterbebett seines Vaters den Auftrag kriegt, schnell die Mutter zu holen, was er auf halbem Weg vergisst, da er mit seinem Schatten „spielt“. Zu dem Zeitpunkt ist er sechs Jahre alt.
Diese Phase des Nichts-Verstehens haben heutzutage Jungs mit 13 Jahren in der Pubertät. Doch dieser Junge ist symptomatisch für den Krieg, in dem die Kinder viel früher mit grausamen Dingen und Verlusten konfrontiert wurden als heute. Dass sie nicht verstehen konnten was der Tod und die Gefahr bedeuteten ist mit der psychischen Last, die diese Kinder zu tragen hatten zu begründen.
Weil der Junge von seiner Mutter oft Schlaftabletten bekommt, fehlen in seinem Gedächtnis oft ganze Tage, was auf dazu beiträgt, dass er nichts mehr versteht. Als seine Mutter ihm sagt er habe drei Tage geschlafen, während er denkt es war nur die Nacht, zweifelt er an seinem Verstand. Und das mit sechs Jahren!
Als Leser dieses Werkes kann man sich richtig in den Jungen hineinversetzen, da es in der ersten Person Singular und auch auf diese kindliche Art und Weise parataktisch geschrieben ist. Man muss aus dem Ich-Erzähler hinaus denken, um zu verstehen was vor sich geht, da der Junge kaum etwas versteht und es daher auch nicht genauer umschreibt. Zum Beispiel wird zu keinem Zeitpunkt erklärt, dass die Leute gar nicht nach Palästina fahren, aber der Leser weiß trotzdem, dass dies lediglich der Irrglaube des Jungen ist.
Dieses weitsichtige Denken ist es, was dieses Buch interessant macht und von vielen anderen Büchern unterscheidet.
Die Thematik von „Kinderjahre“, der zweite Weltkrieg, wurde in vielen Büchern behandelt, doch ich finde es überaus spannend, es aus der Sicht dieses kleinen Jungen der nichts versteht zu lesen, da diese Art der Darstellung eher selten ist. Ein bekannteres Werk, mit dem es zu vergleichen ist, ist „das Tagebuch der Anne Frank“. Beide Bücher beschreiben die Erfahrungen eines jüdischen Kindes während des NS-Regimes in den Niederlanden während des zweiten Weltkriegs. Ich denke, dass es genau diese Sicht ist, die beide Bücher so interessant macht.

Eine Antwort zu Kinderjahre (Jona Oberski)

  1. jennylo sagt:

    Die Rezension beschränkt sich zu sehr auf den Inhalt. Diese Schwerpunktsetzung ist jedoch auch gut, da das Buch nicht so bekannt ist. Stellenweise lässt sich die Rezension nicht flüssig lesen. Interessant wären noch Hintergrundinformationen über den Autor gewesen. Ein interessantes Buch, aber auch ein Kultbuch?

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