Pippi Langstrumpf (Astrid Lindgren)

 

pippi-langstrumpf_gr1.jpgJeder kennt das kleine, aber starke Mädchen mit den roten Zöpfen, das sein Pferd mit Leichtigkeit hochstemmen kann, einen Affen als Haustier hat und allein in einer großen Villa lebt. Pippi Langstrumpf ist zu einer Kultfigur geworden. Und damit auch die von Astrid Lindgren geschriebenen Bücher. Dieses Jahr hätte Astrid Lindgren ihren 100. Geburtstag gefeiert. Geboren wurde sie am 14. November 1907 in Vimmerby. Astrid Lindgren spielte mit ihren Geschwistern und Freunden gerne „Nicht-den-Fußboden-berühren“. Dabei sprangen die Kinder auf den Möbeln hin und her – genau wie später Pippi, Tommy und Annika. Astrid Lindgren verbrachte eine geborgene Kindheit, was sich auch in den meisten ihrer Bücher widerspiegelt. 1926 wird Astrid Lindgrens unehelicher Sohn geboren. Er lebt die ersten drei Jahre bei einer Pflegefamilie in Dänemark, bis sie ihn 1930 zu sich nach Stockholm holt. 1932 heiratet sie Sture Lindgren, den späteren Direktor von Schwedens größtem Automobilclub. Im Jahre 1934 kam Astrid Lindgrens Tochter Karin zur Welt. Sie forderte ihre Mutter eines Tages auf, ihr von „Pippi“ zu erzählen. Damit ist sie die Erfinderin des Namens „Pipi Langstrumpf“. Astrid Lindgren schreibt die Geschichte von Pippi Langstrumpf als Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter auf. Zunächst konnte das Buch keinen Verlag finden und als das Buch 1949 in Deutschland erschien, gab es neben begeisterter Zustimmung auch kritische Stimmen. Das vorherrschende „Kinderbild“ war das von braven, unauffälligen Kindern, wie es z.B. das Buch „Nesthäkchen“ von Else Ury zeigt. In „Pippi Langstrumpf“ verkörpern Thomas und Annika dieses Idealbild. Pippi jedoch sei ein schlechtes Vorbild für Kinder. Man kann daher sagen, dass Astrid Lindgren bestehende Grenzen der Kinderliteratur überschritt und verschob. Mit dem Erscheinen von „Pippi Langstrumpf“ 1945 begann Astrid Lindgrens Erfolg. Ihre Romane wurden in mehr als 90 Sprachen übersetzt und viele ihrer Kinderbücher, wie z.B. Ronja Räubertochter, Michel und die Kinder aus Bullerbü, wurden verfilmt. Alle Bücher zeigen eine „heile Welt“ und starke Kinder, die für ihre Rechte eintreten. Die geschätzte Weltauflage ihrer Bücher beträgt 145 Millionen Exemplare. „Pippi Langstrumpf“ ist weltweit die erfolgreichste Figur Astrid Lindgrens. Astrid Lindgren setzte sich für die Rechte von Kindern, für Gewaltlosigkeit und den Tierschutz ein. Viele Schulen und Straßen wurden nach ihr benannt. Maren Gottschalk schreibt in „Jenseits von Bullerbü“, dass Astrid Lindgren das Gefühl hatte, dass die Gesellschaft sich in die Erziehung ihrer Kinder einmischen wollte. Die Kinder sollten eingeschüchtert und gefügig gemacht werden. Das wollte Astrid Lindgren nicht akzeptieren. Diese Empörung zeigt sich in ihrem ersten Kinderbuch über Pippi Langstrumpf. Pippi Langstrumpf lebt ganz auf sich gestellt, ohne Eltern und ohne Autoritäten. Nebenan wohnen Thomas und Annika in einer ganz normalen Familie. Viele sehen das Buch als einen Wiedergutmachungsversuch gegenüber ihrem erstgeborenen Sohn an, der die ersten Jahre seines Lebens ohne Eltern auskommen musste. Soll das Buch sagen: „Du hast Geld im Überfluss, du bist so stark wie sonst keiner, du brauchst niemandem zu gehorchen und darfst dich über alle Leute lustig machen, vor denen andere Kinder kuschen müssen, du darfst Süßigkeiten essen so viel du willst, ins Bett gehen, wann du willst, du brauchst nicht in die Schule zu gehen und nie Hausaufgaben zu machen?“ Astrid Lindgren zeigt in Pippis Leben, sowohl das ausgelassene, freche Glücksgefühl, als auch die Einsamkeit und Melancholie. Bei Pippi wird alles auf die Spitze getrieben. Statt zu gehen, läuft sie rückwärts oder auf den Händen. Statt normal zu sprechen, schreit und kräht sie. Es scheint ihr fantastisch ohne Eltern zu gehen. Die Literaturforschung meint sogar, dass das Buch Kindern zu einem „coming out als Kind“ verhelfen könne. Pippi stellt die Heldin der antiautoritären Erziehung dar. Das Buch kann Kindern aber auch Mut machen und ihnen die Angst vor der Einsamkeit nehmen, wenn sie z.B. ohne Eltern aufwachsen müssen. Aber egal, ob Pippi, Michel, Lotta, Ronja oder Mio – Astrid Lindgren muss man einfach gelesen haben!

3 Antworten zu Pippi Langstrumpf (Astrid Lindgren)

  1. brittamaus sagt:

    hallo jenny, ist bestimmt toll, was Du da geschrieben hast!!!

  2. friederike89 sagt:

    Eine sehr gelungene Rezension, vor allem die Entstehungsgeschichte von „Pippi Langstrumpf“ und die vielen Informationen über Astrid Lindgren finde ich sehr interessant! Vielleicht hättest du am Ende noch deutlicher herausstellen können, warum „Pippi Langstrumpf“ für dich ein Kultbuch darstellt.

  3. iris88 sagt:

    Hey Jennifer=)
    Die genaue Erklärung, warum es dein Kultbuch ist, fehlt mir auch.Sonst finde ich die Kritik sehr gelungen. Die Informationen zu Astrid Lindgren finde ich sehr interessant, obwohl ich nicht weiß, ob diese so ausführlich in eine Kultbuchkritik gehören.

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